Playlist vom 10.12.2012

 JJ72 – It’s a sin
Faker – This heart attack
Phillip Phillips – Wicked Game
Andy White – Cry baby cry
Portishead – All mine
Sin Cos Tan – Trust
Atoms for Peace – What the eyeballs did
The Crystals – He’s sure the boy I love
Local Lokal – Santa claus is comming to town
Die Toten Hosen – Altes Fieber

Bush – Everything Zen
Instant Music – My boy
Pet Shop Boys – Leaving
Toni Braxton – Un-Break my heart
Saving Abel – Addicted
Sick Puppies – Maybe
Supermax – Lovemaching
Thelonious Monk – Ruby, my dear
Chad & Jeremy – It was a very good year 

Männer kaufen – Unterwegs mit Strichern und Kunden in Zürich von Oliver Demonat und Walter Pfeiffer

Was ist die Zukunft des Buches? Einerseits wird es mehr Ebook-Leser/innen geben, bei denen der Inhalt, der so genannte Content, das Bestimmende sein wird, darunter fallen Sachbücher (die man geschickterweise mit nützlichen Links, Grafiken, Bildern etc. anreichern kann, was oft bei Print-Erzeugnissen schwieriger ist) und Unterhaltungsromanen (deren Erscheinungsbild oft nicht wirklich wichtig erscheint). Andererseits wird es mehr „schöne Bücher“ geben, deren Ausstattung besonders wichtig sein wird. Eine interessante Aufmachung, gute Fotos, markantes Layout, ansprechende (Papier)Qualität. 

So ein wunderbares Buch ist „Männer kaufen“, das von dem 35jährigen Journalisten Oliver Demont geschrieben wurde, der 28jährige Guillaume Mojon zeichnet sich für die Illustration verantwortlich – und der geniale Walter Pfeiffer steuert ganz viele ästhetische, emotional berührende (Akt)Fotos. 

Männer kaufen ist tatsächlich Programm hier: In Zürich gibt es Schätzungen, dass 1500 Stricher unterwegs sind, teilweise aus aller Welt. Ein paar von ihnen kommen zu Wort, daneben auch auch einige der Freier. Oliver Demont hat mit ihnen gesprochen und ein unterhaltsames Buch entworfen, das nur auf den ersten Blick banal und trivial erscheint. Er unterhält sich mit ihnen auf einer Ebene, sucht die interessantesten Schnipsel der Unterhaltung heraus, stellt diese Menschen in ihrer gesamten Wahrhaftigkeit vor, ohne zu moralisieren – und immer mit dem Wunsch diese „Szene“ in ihrer Gesamtheit zu zeigen, weswegen er Stricher-Kneipen wie das „Carrousel“ oder „Dynasty“ (der Original-Name von der in Deutschland „Denver-Clan“ genannten Fernsehserie) oder DIE Social Network Plattform für schwule Männer „Gayromeo“ näher beleuchtet. 

Homosexualität ist ein großes Thema die letzten Tage und Wochen, nicht zuletzt durch unkluge, unzeitgemäße Kommentare von CDU-Mitgliedern. Künstler/innen und Politiker/innen, die homosexuell sind, und die akzeptiert erscheinen, täuschen darüber hinweg, dass es nach wie vor nicht unbedingt leicht ist, sich als Homosexueller sichtbar zu machen. Darüber hinaus erklärt David Garcia, der Leiter der Sprechstunde für Sexualmedizin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsspital Zürich, der am Ende zu Wort kommt, dass bei homosexuellen Männern eine Hypersexualisierung des Körpers stattfinde, und zwar in sehr viel höherem Maße als dies bei Heterosexuellen das der Fall ist. Einerseits legen sich homosexuelle Männer mit einem gestählten, muskulösen Körper ein Schutzschild zu, um aus den Gefühl des Nichtgenügens herauszukommen. Der soll diese mit Angst besetzte Andersartigkeit verdecken und verdrängen. Andererseits ist dieses Bild so virulent, so marginal möchte ich behaupten, dass häufig eine Abwertung derjenigen vollzogen wird, die nicht mehr starke und feste Körper haben. Wird es schwabbelig oder labberig, wird der Mann einfach etwas älter, dann verliert er sehr an Attraktivität. Für Stricher bedeutet das, dass sie nur eine begrenzte Zeit haben, in der sie Geld mit ihrem Körper verdienen können, für in die Jahre gekommene Männer bedeutet das, dass sie sich attraktive Männer nur noch kaufen können – so zumindest aus ihrem eigenen Blick heraus. 

Die Stricher und Freier reden angenehm frei heraus, auch die humorvollen, teils vielleicht auch eher unfreiwillig lustigen Stellen werden hervorgehoben, zum Beispiel in großen Lettern: „Baby, who the Fuck is Walter Pfeiffer???“ oder: „Ich will fünfzig Prozent vom Buchgewinn und eine richtige Gage oder was anderes Geiles.“

Das Geld, das liebe Geld, natürlich ist dies der Beweggrund, „anschaffen“ zu gehen, als „Liebesdiener“ (wie es einer der Freier formuliert) zu arbeiten. Einige der befragten Stricher sind heterosexuelle Männer aus dem Osten, manche aus Lateinamerika. Aber auch es gibt auch deutsche und schweizerische Jungs, jede Bildungsschicht ist vertreten, auch Studenten, gebildete Typen, klug mitunter, manchmal aber auch einer Konsumsucht verfallen, wie sie für die heutige Zeit typisch erscheint. Man will sich „etwas leisten“, „etwas gönnen“, „genau so viel haben wie die anderen“, „man braucht ein iPhone“, „die und die Marke“ etc. Die Freier sind meist eher aus der Bildungsschicht, eher vermögend, schließlich haben einige von ihnen bereits mehrere hundert Tausend Franken für ihre jungen Kerle ausgegeben, der eine oder andere von ihnen hat Stricher für längere Zeit ausgehalten, sie bei sich aufgenommen, ihnen eine Wohnung bezahlt manchmal, teilweise eine Ausbildung für die Zeit danach spendiert. Es gibt Freier, die vielleicht ihr „Kind-Ersatz“ in den jungen Männern gesehen haben, psychologisch verquer und doch nachvollziehbar.

„Männer kaufen“ könnte ein billiges Buch sein, ist es aber nicht, die Fotos könnten Pornografie sein, sind es aber eben so wenig. Sie haben Charakter, sie zeigen Emotion, sie sind wunderschön – und vor allem sind sie keine Fast-Food-Bilder. Man kann sie länger betrachten und findet einen neuen Aspekt. Sie erzählen Geschichten. 

Nein, dieses Werk ist wirklich nicht billig, es ist kunstvoll, es ist ästhetisch, es ist ganzheitlich, es ist unheimlich unterhaltsam, selbst wenn man sich noch nie für dieses Thema interessiert hatte. Es ist absolut empfehlenswert!

Print-Bücher wird es noch ganz lange geben – so lange sie so liebevoll und schön gemacht werden wie dieses Buch, denn dann möchte man sie nicht nur verschlingen, sondern sehr gerne ins Regal stellen.

„Männer kaufen – Unterwegs mit Strichern und Kunden in Zürich“ von Oliver Demonat (und dem Fotografen Walter Pfeiffer und dem Typographen Guillaume Mojon) ist im Oktober 2012 im Salis Verlag erschienen, umfasst ca. 200 Seiten, ist gebunden, 18 x 27 cm groß und für 55 Euro im Fachhandel erhältlich. 

Veröffentlicht in Buch

Im Palast des schönsten Schmetterlings von Peter Nathschläger

Peter Nathschläger ist auf eine spannende und gleichsam sehr verstörende Geschichte im Kuba nach der Revolution gestoßen. 

Im Jahr 2011 wurden bei Renovierungsarbeiten Notizbücher eines schwulen Teenagers gefunden, die derjenige 1964 in Kuba, kurz nach dem Battista-Regime, geschrieben hatte, bevor er sich umbrachte. Der Autor arbeitete diese Geschichte auf, und stellte eine Verbindung zu einem anderen Selbstmord her. Dieser fand erst im Sommer 2010 statt: Ein Mann ertrank dabei an der Küste Havannas. Das Wasser verbindet die beiden Hauptfiguren: Der Junge war in Cojimar von den Klippen in die Fluten gesprungen, wohl wissend, dass er das nicht an dieser Stelle nicht in diesem Moment tun durfte… 

Es ist die Geschichte zweier Brüder. Gerardo, der die Notizbücher geschrieben hat, ist der jüngere von beiden. Er wird von allen geliebt und verehrt. Mädchen wie Jungen möchten mit ihm zusammen sein, er ist hübsch, er ist unbeschwert, hat immer ein Lächeln auf den Lippen – und ist lebensklug. Yoanis, sein älterer Bruder, fühlt sich immer zurück gesetzt, er wird nicht geliebt, er hat keine Interessen. Das einzige Talent ist das Boxen, und da ist er konsequent und erbarmungslos. Das erkennen auch die Revolutionäre, die ihn für ihre Zwecke einsetzen. Doch bevor er für sie Menschen quält, diese bricht, tut er das mit seinem kleinen, verhassten Bruder. Gefühllos, kaltblütig, gewissenlos…

Es ist ein wichtiges Buch, das Peter Nathschläger da verfasst hat. Ein sehr wichtiges sogar! Obgleich man es trotz seiner nur 172 Seiten sicherlich nicht schnell, in einem Ruck lesen kann. Nicht weil es etwa langweilig oder schlecht geschrieben ist, ganz im Gegenteil, nur diese Geschichte berührt auf so eine tiefe Weise, mal macht sie unfassbar traurig, mal macht sie unfassbar wütend, mal ist es einfach nur unerträglich und man muss das Buch weglegen, und manchmal ist es einfach wunderschön. Die Briefe, die Gerardo in seinen jungen Jahren in seinem Straßen-Spanisch geschrieben hat, strotzen von Bildern und klugen Lebensweisheiten (trotz Übersetzung zuerst ins Englische und dann ins Deutsche, vermutlich waren viele Teile unübersetzbar). Sie sind voller Liebe. 

Der Autor schafft es wie kaum ein anderer die tiefen Abgründe der Menschen in brutale, einfache Worte zu packen, die einen schütteln, die verstören. 

Es ist ein wichtiges Buch gerade in der heutigen Zeit, in der die Diskriminierung und Verfolgung von Homosexuellen, die Gewalt gegen sie wieder zunimmt, man denke an Russland, an Uganda, und jetzt jüngst zu Äußerungen einer deutschen Kanzlerin. 

Peter Nathschlägers „Im Palast des schönsten Schmetterlings“ ist im Himmelstürmer Verlag, Hamburg, 2012 erschienen, umfasst 172 Seiten und ist für 15,90 € erhältlich. 

Veröffentlicht in Buch

Playlist vom 19.11.2012

1. Stunde
 
01. Hall & Oates – Out of touch
02. Emeli Sande – Wonder
03. Sister Sledge – Thinking of you
04. Miriam Bryant – Finders Keepers
05. Roger Sanchez – Another chance
06. Björk – Venus as a boy
07. Bright light bright light – Moves
08. Jessie J. – Silver Lining
09. Garbage – I hate love
10. Sheila E. – The glamorous life
11. Jocelyn Brown – Somebody else’s guy
12. Thomas D. feat. Nina Hagen – Solo
13. Lena – Mr. Arrow Key
 
2. Stunde
 
14. George Michael – White light
15. Eskobar feat. Heather Nova – Someone new
16. Pet Shop Boys – Leaving
17. M People – Don’t look any further
18. Tyson – After you’re gone
19. Artful Dodger – Please don’t turn me on