Abschied von Bob von Lutz van Dijk

 

Mir gefĂ€llt das Lesen von JugendbĂŒchern. Es ist Ă€hnlich wie bei Krimis. Sie sind eher leicht zu lesen, also eine sehr geeignete S-Bahn-LektĂŒre, immer spannend gestaltet, damit die Zielgruppe nicht die Lust verliert. Und oft behandeln die Autoren schwer verdauliche Themen auf ansprechende und einfache, aber nicht zu vereinfachende Weise. Das ist auch in diesem Jugendbuch des Autoren Lutz van Dijk der Fall. 

In ABSCHIED VON BOB geht es um die Freundschaft eines ungewöhnlichen Paares: Die etwas mollige Yvonne, die oft von ihren MitschĂŒlern verspottet wird, und Bob, der schwarzhĂ€utige, gut aussehende, schwule Junge.

Als Yvonne von zu Hause weglĂ€uft, vertraut sie nur ihm. Sie erlebt mit ihm, dass Liebe ganz unterschiedliche Gesichter haben kann. Bob aber hat große Sorgen. Nachdem sein Ex-Freund ihm erzĂ€hlt, dass er HIV-infiziert ist, fĂŒrchtet er sich vor Aids und zögert den Test lange hinaus. Als sich herausstellt, dass er tatsĂ€chlich infiziert ist, weist sein Blut bereits eine enorm hohe Viruslast auf. Yvonne zögert keinen Moment, an Bobs Seite zu bleiben. Sie ist bei ihm, als er eine quĂ€lende Zeit lang auf die Medikamente eingestellt wird. Doch Bob hĂ€lt dieses strikte neue Leben nicht lange aus. Er flĂŒchtet – und kehrt erst zurĂŒck, als es zu spĂ€t ist.

Denn Bob verwirklicht sich seinen Lebenstraum, bevor er dann endgĂŒltig im Krankenhaus landet: Er reist nach San Francisco, dem Ort, an dem er so sein kann, wie er ist. Und lebt dann eine Weile da, ohne sich bei seiner Familie und seinen Freunden zu melden.

Lutz van Dijk ist 1955 geboren, arbeitete viele Jahre bei der Anne- Frank-Stiftung in Amsterdam. Seit 2001 lebt er in Kapstadt als Co-Direktor der von ihm mitbegrĂŒndeten Stiftung HOKISA (Homes for Kids in South Africa), die Aids-Waisen und HIV-infizierten Kindern ein Zuhause gibt. FĂŒr seine Jugend- und SachbĂŒcher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

NatĂŒrlich merkt man diesem Jugendbuch dieses Engagement und die Ziele des Autoren an, doch es wirkt nie moralisierend und aufgesetzt. DafĂŒr ist es viel zu emotional und viel zu tragisch. Man freut sich zunĂ€chst mit Yvonne ĂŒber die neu aufkeimende Freundschaft, die sich wie eine Verliebtheit gestaltet. SpĂ€ter leidet man mit, wenn Bob seine letzten Lebens-Wochen und Lebens-Tage verlebt. Man kann gut nachvollziehen, dass alle beteiligten Personen mit der Situation ĂŒberfordert sind.

ABSCHIED VON BOB ist im SauerlĂ€nder Verlag in der Reihe SauerlĂ€nder Reality im Juni 2007 erschienen. Es umfasst 144 Seiten und ist fĂŒr 9,90 Euro im Fachhandel erhĂ€ltlich.

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