Playlist vom 12.11.2012

Massendefect – München
Placebo – Wouldn’t it be good
One Direction – They don’t know about us
Barry Manilow – Copacabana
Drop the lime – State Trooper
Kill Paris – Tender Love
Materia – Lila Wolken
Julian Jorden & Martin Garix – BFAM
Jeremih – Fuck U all the time
 
The Knife – Silent Shout
Der Plan – Junger Mann
Spectral Display – It takes a muuscle to fall in love
Ride – Leave them all behind

Kate Bush – The man with the child in his eyes  

Atomic Age von Helena Klotz

Das Mal Seh´ n Kino in der Adlerflychtstraße ist wohl das Kino in Frankfurt, das am häufigsten queere Filme zeigt, hier laufen Filme von Rosa von Praunheim, Xavier Dolan, von der Edition Salzgeber und Pro-Fun Media. 
In dieser Kinowoche ist es der Film Atomic Age von Helena Klotz, in dem zwei schöne, selbstverliebte junge Männer aus der Pariser Vorstadt eine vielleicht gewöhnliche Nacht miteinander verbringen. In der Art eines Road Movies sehen wir sie zunächst gemeinsam im Zug in die City Paris hineinfahren, in einen Club gehen, tanzen und Leute beobachten, über die berühmte Brücke Pont Neuf spazieren und diskutieren. Wir begleiten sie in einer Prügelei mit dem noch schöneren Niels Schneider, bekannt aus „Herzensbrecher“ von Wunderkind Xavier Dolan. Und sind hautnah dabei, wenn sie sich am Ende in einem Wald hinlegen, in den Himmel schauen und philosophieren.
Das war der Inhalt in grausamer Kürze. Dass es der Regisseurin Helena Klotz offensichtlich nicht um den Plot ging, merkt man in jeder Minute des Films. Die einzelnen Szenen wirken merkwürdig unstimmig. Das Positive daran, könnte man vermerken, ist, dass man nie weiß, was als nächstes passiert. Das Negative? Nun, besonders glaubwürdig erscheint das nicht. Wo kommt plötzlich Theo, von Niels Schneider gespielt, mit seinen zwei Klons her? Wieso hat er es auf die beiden jungen Männer Rainer und Victor abgesehen? Wieso wirkt der Dialog so unauthentisch? Wieso brechen sie plötzlich einen Streit „Arbeiterklasse versus bürgerliche Gesellschaft“ vom Zaun? Oder wieso wird Rainer von einem anderen wunderschönen Typen grob sexuelle angemacht und was reden die da für einen Unsinn miteinander? Reden so junge Leute? Eher unwahrscheinlich. Wollen wir das alles auf die Drogen schieben? Wieso taucht ein Mädchen als Geist auf und ist dann plötzlich ganz real?
Wenn es nicht um den Plot geht, wenn die Dialoge unglaubwürdig sind, was ist dann der Reiz des Films? Vielleicht die Musik des Films, die merkwürdig mysteriös ist, von Ullysse Klotz übrigens. Vielleicht die langen Aufnahmen der einzelnen Akteure: Victor, der von Dominik Woijik verkörpert, und Rainer, der von Elliott Paquet gespielt wird. Nicht nur die Jungs sind in sich selbst verliebt und vielleicht auch ineinander, sondern auch die Kamera liebt sie. Minutenlang werden sie von ihr studiert, viele Szenen wirken so, als wären sie nur zustande zu kommen, um ihre Vorzüge besser zur Geltung zu bringen. 
Und doch! Und doch hat dieser kurze Film, 67 Minuten dauert er nur an, seinen Reiz, den man nicht in Worte fassen kann. Und doch sagt man sich: gut, ihn angeschaut zu haben. Vielleicht weil er sich trotz all der Schwächen von amerikanischen Filmen abhebt, die selten die Adoleszenten wirklich ernst nehmen, eher auf Klamauk oder Herzschmerz ausgerichtet sind. Vielleicht weil in den Dialogen ein paar starke Momente waren, vielleicht weil manchmal, fern der oberflächlichen Schönheit, starke schauspielerische Stärken zu sehen sind. Vielleicht weil der schmale Grat zwischen Frustration und Aggression sehr gut eingefangen wird, was wohl der Grund für den Namen des Films „Atomic Age“ verantwortlich ist. Das war nun eine Hypothese. Die Ratlosigkeit bleibt.
Wer sich selbst einen Eindruck von Atomic Age von Helena Klotz möge sich bis zum Mittwoch noch ab 22 Uhr ins Mal Seh´n Kino begeben und seine eigenen Eindrücke sammeln. Oder sich später bei Pro Fun die DVD besorgen. Wie gesagt: schöne Menschen gibt es zuhauf zu sehen.
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Bullenklöten von Ralf König

Zwanzig Jahre ist es her. 1992. Da wurde die erste Ausgabe von „Bullenklöten“ im eigens dafür gegründeten Männerschwarm Verlag aus Hamburg veröffentlicht. Männerschwarm war bis dahin nur eine Buchhandlung gewesen, in der Ralf König schon signiert hatte und die er daher kannte. Nach seinem Erfolg „Der bewegte Mann“ aus dem Jahr 1987, der damals im Rowohlt Verlag erschienen war, wollte nun Ralf König wieder weg vom Mainstream, er wollte etwas schaffen, was „für die Szene“ war und in ihr blieb. So klopfte er bei Männerschwarm an. Die 5000 schnell gedruckten Exemplare waren bald vergriffen. So folgten recht bald die nächsten 45.000 Bücher, die ebenfalls sofort Käufer fanden. Das war die Geburtsstunde des Männerschwarm Verlages – in dem nicht nur die Bücher von Ralf König veröffentlicht werden, sondern mittlerweile Hunderte von Büchern in verschiedenen Sparten, sei es Erotik, Comic, SM, Belletristik, aber auch viele Sachbücher, gerade solche Reihen wie die Bibliothek Rosa Winkel oder Queer Lectures. 

 

Ralf König selbst sagt zu Bullenklöten: „Gerade war ich 30-jährig von Dortmund nach Köln gezogen, und das Leben bekam Speed, ich war gut und geil drauf, und das floss dann auch hemmungslos in die Geschichte von Paul und dem strunzgeilen Bauarbeiter. Fürs bayerische Landesjugendamt waren die Dödel aber zu dick: Man versuchte (acht Jahre nach Erscheinen) den Comic auf den Index zu setzen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften entschied aber anders, nun waren die Klöten Kunst.“ 

Tja, die Bayern kann man dazu nur sagen. Aber worum geht es in Bullenklöten, also für diejenigen, die dieses Dream Team noch nicht kennen? „Bullenklöten“ wurde schon damals als erster Comic-Roman bezeichnet, damals, als man das Wort Graphic Novel noch nicht kannte.

 

Ralf König erzählt die Geschichte von Paul und Konrad, einem homosexuellen Paar. Beide Männer verlieben sich kurzfristig anderweitig. Paul schwärmt für den Bauarbeiter Ramon, während Konrad sich in seinen 17jährigen Klavierschüler Matthias verliebt. 

Der Rezensent muss gerade mal zugeben, dass er noch nie einen Ralf König Comic gelesen hat, irgendwie hat es nie so wirklich interessiert. Das muss nun nachgeholt werden. Denn dieses Buch ist sogar noch zwanzig Jahre nach der ersten Auflage so aktuell und vor allem so lustig und authentisch, dass es immer noch total Spaß macht und vor allem Lust auf mehr. Es ist eine wirklich schöne Idee vom Verlag, eine schöne, neue Ausgabe dieses Juwels, das bisher 100.000 Mal verkauft wurde, für diejenigen aufgelegt hat, an denen das vorbei gegangen ist oder die noch zu jung waren. 

 

Die im Männerschwarm Verlag veröffentlichte Jubiläumsausgabe im Hardcover „Bullenklöten“ von Ralf König umfasst 136 Seiten, kostet 15 Euro und ist im Fachhandel erhältlich. Absolut empfehlenswert für einen regnerischen Sommernachmittag, um seine gute Laune wieder zurückzubekommen.

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Duocarns – Die Ankunft von Pat McCraw

Es war eine doppelte Premiere: Das erste Ebook, das ich jemals gelesen habe – und es war nicht immer ganz einfach, ohne das Rascheln des Papiers auskommen zu müssen – UND mein erster Ausflug in die Genres Erotic Fantasy und Gay Romance. Vielleicht waren das die zwei Gründe, warum ich nicht ganz so gut in den Text gekommen bin. Aber nun zur Geschichte:

Im ersten der sieben Bände von Duocarns stranden fünf attraktive, außerirdische Duocarn-Krieger mit ihrem Raumschiff in Kanada. Schuld daran ist eine Anomalie (allerdings erfährt man über die Art der Anomalie und ihrer Herkunft im ersten Band noch nichts, vielleicht später?). Aber nicht nur Meodern, der blitzschnelle Supermann, der muskelbepackte Xanmeran, der fungizide Hybrid Tervenarius, Patallia, der Mediziner und ihr Führer und der Sternenkrieger Solutosan sind in Kanada, sondern auch ihre Feinde, die Bacanis, die sehr grausam sind, und schon nach kurzer Zeit einige Menschen auf bestialische Weise umbringen und damit mehr oder weniger bewusst eine Spur legen. Schon bald lernt Solutosan die Sozialarbeiterin Aiden kennen, die die Außerirdischen tatkräftig unterstützt, ihnen alles mögliche beibringt, was die für ein Erdenleben brauchen, den Rest erfahren sie durch das Internet. Begünstigt wird dieses Einleben auch durch ihre vielfältigen Gaben und Talente. Auch der homosexuelle Krieger Tervenarius erfährt erste Bewunderung durch den Häusermakler David. Er entzieht sich ihm anfangs, aber David lässt sich nicht abschütteln. Eine tiefgründige und sinnliche Liebesbeziehung entsteht. Der den Kriegern (den Guten!) treu ergebene Bacani-Navigator, Chrom, verliebt sich auf einer Dating-Page im Internet und landet einen Volltreffer: Er findet die Navigatorin der feindlichen Bacanis, Psal.

Schon verwirrt? Ich war es zwischendurch, denn die Autorin Pat McCraw switcht zwischen beiden Lagern hin und her, und nimmt die Perspektive der einzelnen Figuren der beiden Lager ein. Das ist einerseits spannend, weil man so alle wichtige Figuren begleiten kann, andererseits ist der Leser aufgefordert, eine hohe Denk- und Aufmerksamkeitsleistung zu erbringen. Nichts also für eine U-Bahn-Fahrt oder für den Park. Man kommt zunächst schwer in den Text hinein, weil die Figuren erst beschrieben werden müssen, und wenn man ungeübt in diesem Genre ist, dann hat man Schwierigkeiten, den Beschreibungen zu folgen, zumindest ging es mir so. Doch als ich im Lesen drin war, gefiel mir die Charakteristik der Figuren (die „Guten“ sind sehr sympathisch, bei den Bösen sorgt nur Psal für Identifikationspotenzial, die anderen beginnt man recht schnell zu „hassen“).

Der Roman ist locker und flüssig geschrieben, gewinnt gegen Ende schließlich Fahrt und wird sehr spannend – und dann hört der Band auch schon auf. Ich hätte mir gewünscht, dass der Mittelteil etwas spannender gewesen wäre. Vielleicht auch, dass der Anfang etwas klarer wäre und vielleicht doch zumindest ein bisschen die Anomalie erklären würde, die immer so ein bisschen wirkte, als ob die Autorin nicht so recht wüsste, wieso diese geschehen ist. Im ersten Band wurden viele Erzählstränge aufgenommen, die in den nächsten sechs Bänden weitergesponnen werden. Die Homo-Erotik wirkte ganz überzeugend, ich fand es jetzt nicht arg pornös, aber auch nicht sehr kitschig. Pat McCrawn sagte mir, dass der Anteil daran in den nächsten Bänden noch größer wird.

 

Die ersten drei Bände gibt es als Ebook und Printbuch bei Amazon und anderen Online-Händlern zu kaufen, 3,99 bzw. 4,99 Euro für das Ebook, 9,90 Euro für das Printbuch.

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