Schwule Nachbarn von Detlef Grumbach (Hrsg.)

 

Anlässlich des 15jährigen Bestehens des Verlags Männerschwarmskript gab Detlef Grumbach einen Erzählband heraus, in dem 22 namhafte Autorinnen und Autoren, die nicht homosexuell sind, die Aufgabe erhielten, etwas über das Thema „Schwule Nachbarn“ zu schreiben. Präziser gesagt war die Einladung an dieser Anthologie teilzunehmen offener: der Verlag „…wünsche sich Geschichten, in denen es um eine sprachliche und emotionale Begegnung mit schwulem Leben, einem schwulen Menschen, einer schwulen Figur geht, alleine der inneren Wahrheit des Textes verpflichtet“. Dabei erinnert die Situation der „Schwulen Nachbarn“ ein bisschen an die anderen Nachbarn, die Migranten, ein in der Vergangenheit ebenso nur am Rande behandeltes Thema in der deutschen Literatur und erst durch einige Verfasserinnen und Verfasser so genannter Migrantenliteratur mehr in den Blickpunkt genommen worden. Da sind neben Sevgi Emine Özdamar und Selim Özdagan auch Feridun Zaimoglu zu nennen.

Letzterer hat einen Beitrag zu diesem Werk geliefert. Zwei junge türkische Männer reden in einer Kneipe über einen Mann, der ihnen begegnet. Er ist bekanntermaßen schwul – er ist der Nachbar des einen jungen Mannes. Im Grunde genommen sind beide nicht sehr negativ gegenüber Sexualität zwischen Männern eingestellt, das hört man aus gewissen Andeutungen heraus. Das Problem ist ein anderes, und dieses wurde bereits vor kurzer Zeit hier an gleichem Ort erläutert, als ich das Buch „Die Verschwulung der Welt“ von al-Daif und Helfer vorstellte: mit Männern Sex haben darf man, nur darf man nicht dabei passiv sein, also einer Frau ähnlich. Das kommt auch hier heraus. Sich tuntig bewegen, offensichtlich passiv sein, weiblich konnotiert, das darf man eben nicht.

Weitere namhafte Autorinnen und Autoren sind Doris Gercke, Ingo Schulze, Bodo Kirchhoff, Uwe Timm, Barbara Frischmuth und viele andere. Manche haben allerdings auch abgelehnt, wie Detlef Grumbach schreibt. Sie fühlten sich nicht dafür zuständig, so als wären nur homosexuelle Autorinnen und Autoren dafür zuständig homosexuelle Figuren zu beschreiben. Andere kennen angeblich keine Homosexuellen oder mochten ihre aktuellen Projekte, die nichts mit dem Thema zu tun hatten, nicht unterbrechen.

Die Texte sind in unterschiedlichen Genres verortet. Uwe Timm hat beispielsweise einen Essay über Wolfgang Koeppen, der vermutlich homosexuell war und der lange vor dem gesellschaftlichen Aufbruch Ende der 60er Jahre eine schwule Hauptfigur als Rebell in seinem Roman: „Der Tod in Rom“ zeichnet. Damit leistet er bemerkenswerte Pionierarbeit, die allerdings kaum jemand so wahrgenommen hat, Uwe Timm selbst stellte dies erst vor kurzem voller Erstaunen fest.

Bodo Kirchhoff hingegen verfasst einen literarischen Text, in dem ein Erzähler in Rückblicken von einem Erlebnis in der Jugendzeit berichtet, das ihn sehr prägte und ihn seitdem nicht mehr losließ. Er wird als Zwölfjähriger in ein Internat gebracht, in dem er sich erst verloren vorkommt. Bald jedoch lernt er den Kantor kennen und fühlt sich zunächst wohl mit ihm. Doch eines Abends nimmt letzterer ihn mit ins Schilf. Genau erfährt man nicht, was passiert ist, aber angedeutet wird ein sexueller Missbrauch und der Mord des Jungen an seinem schadhaften Erzieher. Wieso Kirchhoff ausgerechnet die Geschichte eines Pädophilen aussucht für diesen Erzählband ist mir schleierhaft. Was er damit bezwecken möchte, welchen Gewinn uns das Lesen dieser Geschichte ist auch nicht klar. Man fragt sich, wieso ihm ein negativer Charakter zu dem gestellten Thema einfällt.

In Doris Gerckes Geschichte, die auch nicht besonders aufregend erscheint, ist der Homosexuelle einmal mehr ein Künstler, so wie übrigens in vielen der zweiundzwanzig Erlebnisse, wie der Untertitel dieses Werkes lautet. Sie sind Schauspieler, Drehbuchschreiber, Filmer, Musiker, arbeiten in der Modebranche undsoweiter. Homosexuelle haben Sinn für Mode und Ästhetik, sie sind sensibel, flatterhaft und promiskuitiv.

Manchmal, ja manchmal, möchten die Autorinnen und Autoren diese Klischees durchbrechen, wie zum Beispiel Christine Wunnicke in ihrem Text „Orchideen“, in dem ein heterosexueller nicht unbedingt handwerklich begabter Mann bei seinem schwulen Nachbarn die Toilettenspülung reparieren möchte, nur um in das Bad des Homosexuellen zu gelangen und zu schauen, ob da eine Orchidee steht. Denn, so sagt die Frau des Heterosexuellen: jeder Schwule habe ein Orchidee im Bad und sowieso wären dies die tolleren Männer. Nur dass der Schwule überhaupt keine Orchidee hat und der Mann dafür schämt, aus diesem Grund in das Bad eingedrungen zu sein.

In anderen Texten versuchen es die Autorinnen und Autoren mit Witz und Ironie, zum Beispiel Gunter Gerlach mit „In 14 Tagen vom Homo zum Hetero“ oder Matthias Altenburg in „Fliegenfänger“. Im ersteren Erlebnis kriegt ein schwuler Sohn eine echt wirkende Roboter-Frau von seinem Vater geschenkt, mithilfe jener er bekehrt werden soll. In letzterer Geschichte spielen heterosexuelle Männer Schwule, um in ihren Jobs mehr Erfolg zu haben. Ob die beiden Beispiele witzig sind oder nicht dürfen die geneigten Zuhörerinnen und Zuhörer selbst entscheiden.

Dieser Erzählband mag diejenigen interessieren, die schon immer wissen wollten, was namhafte Autorinnen und Autoren zu diesem Thema einfällt, sonderlich erhellend und vielsagend sind diese so genannten Erlebnisse allerdings nicht. Kurzweilig sind sie manchmal, innovativ selten, aber das muss man von diesem Band auch nicht erwarten.

Der Erzählband „Schwule Nachbarn“ wurde von Detlef Grumbach herausgegeben und mit einem Nachwort verfeinert. Es umfasst 256 Seiten, ist im MännerschwarmskriptVerlag erschienen und in gebundener Form für 18,80 Euro im Fachhandel erhältlich.

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Frölichs freier Fall von Michael Merschmeier

 

Dieser zweite Frölich-Roman des 1953 in Münster geborenen Michael Merschmeier spielt in der glamourösen Kunst- und Modeszene, überwiegend in Berlin, aber auch in Paris und London. Der hochtalentierte Maler und Society-Liebling Daniel Brisk, der der Sohn eines Berliner Senators ist, wird in seinem Kreuzberger Atelier erschlagen. In seiner Wohnung werden vom schwulen Kriminalkommissar Frölich Fälschungen alter Meister gefunden, und in seinen Konten hohe Summen von einem Schweizer Nummernkonto. Die Spur führt unter anderem zum Imperium der Mode-Designerin Laureen Dashwood, die später einem mysteriösen Unfall zum Opfer fällt. Zahlreiche Figuren aus der Berliner Kultur-Szene tauchen auf, darunter der Berliner Finanz-Senator Brisk, der schwule Vorsitzende der Liberalen Gebhardt Südermann, der Regierende Bürgermeister, und natürlich die Modeschöpferin Dashwood, die allesamt als Karikaturen von bekannten Persönlichkeiten betrachtet werden können. Doch in diesem Roman geht es um mehr als um Kriminalistik oder um Glamour. Auch das private Leben des Kommissars, dessen Beziehung zu einem Schauspieler, der zurzeit der Handlung in Paris einen Film dreht, das schwule subkulturelle Leben in Berlin und die Auseinandersetzung mit modernen Beziehungsmustern bei homosexuellen Paaren spielen eine große Rolle. Träume, die jedes Kapitel beschließen, lassen den Leser noch tiefer in die Geschichte eindringen und vor allem in die vorbewusste Gedankenwelt des Hauptakteurs.

So ist dieser Krimi ebenso eine Art Liebesroman oder vielleicht genauer Beziehungsroman. Der auktoriale Erzähler äußert oft Rezepte und Kommentare zum Verhältnis des Kommissars zu seinem Geliebten.

„Wenn man sich nur selten sah, musste man einander genau dann begehren wollen und auch sehr glücklich sein. Das war ihnen gelungen. Ohne ersichtliche Anstrengung, ohne allzu große Verbiegung, so schien es Frölich. Sie kannten sich lange genug, um freundlich miteinander zu sein.“

So positiv bleibt die Beurteilung ihrer Beziehung im Laufe des Romans nicht. Schon ein wenig später in diesem zweiten Kapitel zeigt sich zunächst noch in ständigen erotischen Träumen mit anderen Männern, danach in handfesteren Erfahrungen in der Szene, dass die Beziehung brüchig ist.

„Er musste sich fassen. Es war ein schweres Los, immer zwischen den Zeilen lesen zu sollen – und zu können. Wurde er dafür bezahlt? Im Beruf ja, aber im Leben? Natürlich liebte er Wolfgang. Natürlich liebe ich Wolfgang. Aber seit ein paar Tagen habe auch ich meine Augen verdächtig oft woanders. Er schloss die Augen. Er wollte nie so werden wie all die anderen, die auch nicht so sein wollten wie all die anderen.“

Gerade der letzte Satz: „Er wollte nie so werden wie all die anderen, die auch nicht so sein wollten wie all die anderen“ fasst in einem Satz ein Gefühl zusammen, das viele Homosexuelle heutzutage haben. Letztendlich scheinen doch die meisten genauso zu werden, wie sie einst nicht werden wollten. Gibt es keinen Ausweg? Merschmeiers Frölich zumindest geht schließlich doch den Weg, den er ursprünglich niemals gehen wollte.

„Einen Ricard später bereute er seinen Entschluss. Vor der Szenekneipe, die sich seit Jahren beständig als In-Place behauptete, war eine schwule Jeunesse dorée versammelt, die nicht auf ihn oder irgendwen, sondern nur darauf wartete, eine Stunde später nebenan im Tom´ s und sonst wo Pornos auf Großbildschirmen anzuschauen und dann und wann einen Abstecher in den Darkroom zu machen. Danach war ihm jetzt nicht und eigentlich nie. Frölich fragte sich, wie es wäre, auf diese Subkultur-Orte fürs Flirten oder Anmachen tatsächlich angewiesen zu sein. Aber er hatte Wolfgang – und der hatte eine Affäre… Zwei Stunden später verließ Frölich das Tom´ s. Er fühlte sich miserabel.“

Wer jetzt noch nicht verstanden hat, warum, der wird ein paar Seiten später mehr verstehen.

„Der Mann hatte einen kahlrasierten Schädel und sehr schwarze, sehr dünne Augenbrauen. Auf dem rechten Arm hatte er eine Tätowierung, einen schwarzen kettengliedrigen Reif. Das könnte zum Beispiel der Mann sein, der ihm letzte Nacht im Keller – Frölich verbot sich jeden weiteren Gedanken.“

Aber auch andere Figuren wie der Mann von Laureen Dashwood, Raphael Reifberger, der eine Affäre mit dem Ermordeten, Daniel Brisk, hatte, denkt neben seiner Kunst nur an das Eine, z.B. im Flugzeug:

„Er erinnerte sich wehmütig, dass früher, vor dem 11. September, ein Quickie auf der Bordtoilette mit dem blonden Stewart, der ihn hemmungslos anhimmelte, das Normalste von der Welt gewesen wäre. Jetzt gab es stattdessen Orangensaft oder Champagner und ein Schoko-Croissant und viele vielsagende Blicke.“

Nein, nicht nur Liebe und Sex spielen in diesem Roman eine Rolle, man lernt auch viel aus der Kunst- und Modeszene kennen. Der Autor Merschmeier hat gut recherchiert und bringt uns, den Lesern, eine Menge neuer Dinge nahe, mit denen wir uns vielleicht noch nie befasst haben. Er lässt dabei viele interessante Nebenfiguren aufleuchten, die nicht nur spannende Informationen bieten, sondern sehr interessante Persönlichkeiten darstellen. Meine Lieblingsfigur ist der Vorgesetzte von Frölich, der Werner Sommer heißt und sich einer umständlichen und gleichzeitig amüsanten Ausdrucksweise bedient:

„»Liebe Kolleginnen«, begann er seine diesmal politisch korrekte Ansprache, »nach ein paar Tagen im Tal der Ruhe bläst uns der Wind wieder ins kriminalistische Gesicht. Vor jedem Frühling vollendet sich bekanntlich immer noch ein Winter, und gestern wurde in Kreuzberg ein Künstler in seinem Blut aufgefunden, wie es nur je ein grausames Bild zeigen kann – man denke nur an Goya zum Beispiel. Wovon ich rede: Daniel Brisk, ein junger Maler, der eben an der Akademie diplomierte mit Glanz und außerdem der Sohn unseres Herrn Finanzsenators ist, wenn der auch ein ganz Roter ist, der Vater. So bleibt die Tatsache: Er wurde, soweit es die ersten Erkenntnisse berichten, ermordet, der Sohn also, mit einem schweren Gegenstand, wie es unter uns heißt.«“

Die Sprache ist dem Autor sehr wichtig, insbesondere versucht er immer wieder spannende ungewöhnliche Sätze einzuflechten:

„Die Grappaflasche blickte ihn vorwurfsvoll an, denn sie war zu einem Drittel geleert.“

„Als für andere junge Menschen die Disco oder das Fitness-Studio zu Orten des Flirtens und der sozialen Kontakte wurden, blieb Frölich bei Cafés, Restaurants und Hotelhallen. Da konnte er mit den Augen flanieren, ohne gleich eindeutig zu flirten, und aus der Uneindeutigkeit, mit der sich Blicke kreuzten und wieder trafen, ließen sich langwierige Abenteuer spinnen.“

Einfallsreich sind ebenso die Überschriften: Vom Fisch essen, der den Wurm verzehrte, der einen König aß; oder: Der Mord, hat er schon keine Zunge, spricht mit wunderbarer Stimme; oder: Nur reden will ich Dolche, keine brauchen. Dies sind Anspielungen und Zitate aus der Literatur, wie sie Merschmeier auch innerhalb des Textes verwendet. In Bezug auf Hesses Siddhartha z.B.: Warten, denken, recherchieren. Es versteht sich von selbst, dass das Fasten bei Frölich ersetzt wird, da Essen ein wichtiger Bestandteil seines Lebens ist. Eine große Frage für ihn: wie kann ich gleichzeitig genießen und einen ästhetischen Körper haben. Der Körperkult ist sehr wichtig für die Personen dieses Romans. Der Körper entscheidet über den Marktwert, gerade auch bei Schwulen. So kommt das Thema Fitness-Studio immer wieder zur Sprache, beispielsweise am Ende, wenn Frölich sich ein wenig in den Firmenboss Chrysler verliebt, einem Modedesign-Guru, dem natürlich körperliche Schönheit sehr wichtig ist. Der Erzähler dieses Romans legt sehr viel Wert auf äußere Schönheit, insbesondere wenn er die einzelnen Personen dieses Romans charakterisiert. Alle müssen schön und reich sein, sogar die Polizisten, wie z.B. Weitkamp, ein Kollege von Frölich:

„Er war hübsch, intelligent, charmant, inzwischen auch wohlhabend, aber vielleicht hatte er einfach den falschen Beruf für die richtige Liebe.“

Verbesserungsfähig sind allenfalls die Dialoge, die mir manchmal zu hölzern und zu konstruiert klingen. Aber insgesamt garantiere ich eine Menge Lesevergnügen, viel Spannung, aber auch neue Impulse zum Nachdenken, gerade was unsere schwule Subkultur angeht.

Der Roman „Frölichs freier Fall“ von Michael Merschmeier ist in einer schönen Taschenbuchausgabe beim Deutschen Taschenbuch Verlag, dtv, erschienen, und kostet vierzehn Euro.

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Gender Theory – Eine Einführung von Riki Wilchins

 

Dieses Buch soll eine Einführung ins Thema „Geschlechtsidentität“ sein. Das alleine ist schon verwirrend, weil es sich danach anhört, als ob es für Akademiker/innen geschrieben ist, die einen Gesamtüberblick über diese Thematik kriegen sollen. Dem ist nicht so: erstens werden mit diesem Werk Laien angesprochen, zweitens kann so ein dünnes Bändchen überhaupt keinen Überblick über diese Thematik bieten. Was tut also Riki Wilchins, die eine Menschenrechtlerin ist und seit 1995 die Geschäftsführerin der Organisation „Gender Public Advocacy Coalition (Gender PAC)“? Sie versucht die Gedanken großer Philosophen wie Derrida, Foucault und Butler anhand von konkreten Beispielen und eigenen Erfahrungen zu erklären. Sie möchte deren komplexe Theorien allen Interessierten zugänglich machen und aufzeigen, wie bereits jetzt eine neue Generation die Werkzeuge der Queer- und Gender-Theory nutzt, um ihr eigenes Weltbild zu konstruieren. Außerdem soll das Ziel des Buches sein, die „natürliche Ordnung der Geschlechter“ zu überdenken und die eigene Geschlechtsrolle zu hinterfragen.

Zunächst einmal muss der Versuch der Autorin honoriert werden, Gender Theory und Queer Theory zusammenzuführen. Die Gender Studies, die ursprünglich aus der Frauenforschung der 70er Jahre hervorgingen, und die Queer Studies, die neueren Ursprungs, nämlich aus den 90ern sind, gehen normalerweise arbeitsteilig an ihre Aufgaben. Die letzteren entstanden aus den philosophischen und literaturwissenschaftlichen Zusammenhängen des französischen Poststrukturalismus. Gender- und Queer Studies berühren sich bei der Analyse von Ungleichheit, Macht und Herrschaft rund um Geschlecht und Sexualität. Doch nun ist die Zeit gekommen, um beide Richtungen zusammenzuführen, denn der Geschlechterforschung scheint der Hauptbegriff Geschlecht verloren gegangen zu sein – was sind denn Frauen? – und die Queer Studies fühlen sich immer weniger nur für Abweichungen rund um die Sexualität zuständig. Sie setzen sich mit Normalitäten und ihren Konstruktionen auseinander.

Grundsätzlich ist dieses Buch sehr wichtig, weil sich die Leserinnen und Leser vielleicht das erste Mal Gedanken über das Thema Geschlecht und Sexualität machen und wie sie miteinander verstrickt sind. Es ist überaus wichtig zu verstehen, wie die Mechanismen in unserer Gesellschaft funktionieren, was diese Thematik angeht. Und die Mechanismen betreffen jede Schicht und jede Gruppe, auch Minderheiten untereinander. Wie oft hören wir von Schwulen untereinander Vorbehalte gegenüber Untergruppen. Es fängt mit Schwulen an, die Heterolike sind, die etwas gegen Tunten haben. Ich nenne diesen Effekt den „Al-Daif“-Effekt, seitdem ich Joachim Helfers Buch über die Verschwulung der westlichen Welt gelesen und es rezensiert habe. Genauso wie heterosexuelle, konservative Männer Schwule als unmännlich und passiv wahrnehmen, Frauen gleichsetzen – allerdings unter ihrer Prämisse, dass Frauen minderwertig sind, tun dies heterolike Schwule ebenso. Gang und Gäbe sind auch Verschmähungen von Butch-Lesben oder Cross-Dressern. Eine tiefe Abneigung und Verständnislosigkeit gegenüber Transsexuellen und Transgendern ist ebenso allenthalben spürbar. Gerade Gruppen, die selbst diskriminiert werden, neigen genauso dazu, andere Gruppen zu diskriminieren, die von der Norm abweichen.

Doch es geht weiter: die Geschlechtskategorien an sich sind zu überdenken. Was ist männlich, was ist weiblich, was ist maskulin, was feminin? Und hier beginnt einerseits der ansprechende Aspekt des Buches, weil es zum Reflektieren anregt, aber auch der Schwachpunkt: denn hier taucht nicht zum ersten Mal eine Begriffsverwirrung auf, die einen alleine dastehen lässt. Oftmals hat man das Gefühl, entweder ungebildet zu sein, weil man die Hintergründe des ganzen Werks nicht verstehen kann, oder leicht von Begriff, weil man manche Erklärungen einfach nicht versteht. Doch dies hat teilweise ganz andere Gründe. Erstens scheint dieses Buch eine Fehlbesetzung für den deutschen Markt zu sein: die Geschichte der Frauen- und Homosexuellen-Rechte in den USA sind interessant und wichtig, aber für die deutsche Leserin und den deutschen Leser reichlich undurchschaubar. Genauso wenig wie die Geschichte der genannten Organisationen und die vielen Namen, mit denen die Autorin freigebig um sich wirft. Zweitens sind diese komplexen Theorien und der Versuch, sie für den Laien zu übertragen, eine lobenswerte Angelegenheit, nur müsste dabei gewährleistet sein, dass sie weder unzulässig verkürzt, noch verwässert oder gar fälschlich wiedergegeben werden. Oftmals kommt man beim Lesen in die Situation, sich zu fragen, ob man die Theorien nochmals nachschlagen sollte beziehungsweise am besten gleich die Primärtexte zumindest im Auszug zu lesen. Noch häufiger allerdings fragt man sich am Ende des Kapitels: Und jetzt? Was fange ich denn mit diesem Wissen an? Und wie frustrierend, dass es keine Lösung für all die Probleme gibt. Positiv betrachtet kann man dann allerdings äußern, dass man bis zum Ende dabei bleibt, weil man die Hoffnung hat, dass es doch noch eine Möglichkeit gibt, die Welt zu verändern.

Natürlich gibt es diese immer! Das wissen wir alle so genau und sonst hätte auch diese Radiosendung keinen Sinn. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Gesellschaft demokratischer und toleranter wird. Doch wie überall sonst auch müssen wir erst einmal bei uns selbst anfangen. Fragen wir uns doch einmal, warum wir in unserer eigenen Sendung nur Schwule als Mitarbeiter haben, warum keine Lesben, Transgender und Cross-Dresser bei uns mithelfen möchten. Fragen wir einmal, warum bestimmte Thematiken selten bis gar nicht vorkommen. Woran liegt das? Nun, zumindest möchte ich all diejenigen aufrufen, sich bei uns zu beteiligen, die sich die gleichen Fragen stellen. Die sich auch fragen, was der CSD heutzutage noch soll, wenn 75 Prozent der Besucherinnen und Besucher das nur als weiteren Spaß-Event betrachten und sich zwei Tage lang betrinken, tanzen und potenzielle Lebenspartnerinnen und Partner anbaggern, ohne sich um den politischen Hintergrund zu kümmern.

Hannes Stein schreibt: „Die Freundlichen, Intelligenten und Hilfsbereiten sind gerecht unter allen Seiten verteilt. Es gibt sie also bei den Homos und bei den Heteros genau im gleichen Maße – wie auch die Stumpfen, Kalten und Gleichgültigen. Das kann im Ernst niemanden überraschen. Befremdlich ist jedoch, wenn das Schwulsein mit tieferer Bedeutung aufgeblasen, wenn es zum Lebensinhalt gemacht wird; befremdlich das Bemühen, etwas so Zufälliges und letztlich Belangloses wie die sexuelle Orientierung zur Weltanschauung hochzujubeln. Befremdlich ist, mit einem Wort, die HOMOSEXUALITÄT, wenn sie in Großbuchstaben geschrieben wird.“

Spricht das gegen den CSD, gegen unsere Sendung, gegen dieses Buch von Riki Wilchins? Nein, tut es nicht. Der CSD, diese Sendung, das Buch sprechen für Partizipation an unserer Demokratie, sie sprechen dafür, sich oder bestimmte Merkmale nur insofern wichtig zu nehmen, wenn sie ein Grund sind, aus der Gesellschaft ausgeschlossen und diskriminiert zu werden, schlechtere Jobs oder Wohnungen aus diesen Gründen zu erhalten. Sie fordern auf, sich selbst zu reflektieren, sich politisch zu engagieren, für sich selbst und für andere einzustehen und vor allem den Mitmenschen die gleichen Forderungen, Wünsche, Rechte und Pflichten zuzugestehen wie einem selbst. Hannes Stein hat etwas gegen diejenigen, die nicht über den Tellerrand hinausschauen, gegen diejenigen, die sich darüber echauffieren, dass sie wegen ihrer Homosexualität benachteiligt werden, ohne sich aber um Homosexuelle in anderen Ländern zu kümmern, die deswegen verfolgt, gefoltert, umgebracht werden. Er hat etwas gegen diejenigen, die sich um ihre Rechte als Homosexuelle sorgen, denen aber alle anderen Minderheiten wie Transgender, Cross-Dresser, selbst schon Untergruppen in ihrer eigenen „Community“ herzlich egal sind, im Gegenteil: die sogar selbst diskriminieren und anderen ihre Rechte streitig machen.

Um sich selbst zu reflektieren und sich Gedanken um die Konstruktion von Geschlecht und Sexualität zu machen, ist dieses Buch sehr gut geeignet. Möchte man jedoch eine lohnenswerte Einführung in die Queer Theory lesen, empfehlen Kolleginnen und Kollegen das Buch „Queer Theory – ein Problemkind der Zwangsehe schwuler und lesbischer Politik“ von Annemarie Jagose, ebenfalls im Queer Verlag erschienen.

Das Sachbuch „Gender Theory – Eine Einführung“ von Riki Wilchins ist 2006 im Quer Verlag erschienen, umfasst 187 Seiten und ist in einer Taschenbuch Ausgabe für 14,90 Euro im Fachhandel erhältlich.

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Der Aufbruch. Plädoyer für einen aufgeklärten Islam von Irshad Manji

 

Im katholischen Religionsunterricht der dritten Klasse erzählte uns die Lehrerin folgende Parabel:

In einem fernen Land lebte ein reicher Mann. Seine Frau war verstorben, seine Kinder schon längst aus dem Haus. Er lebte nunmehr mit seinem Diener unter einem Dach. Eines Tages rief er diesen und sagte: „Mein lieber Diener, ich möchte, dass du mir morgen das beste Essen der Welt kochst. Ich gebe dir genug Geld mit, damit du auf dem Markt reichlich dafür einkaufen kannst. Und freue mich auf das Ergebnis am morgigen Esstisch.“ Der Diener ging also los und sah sich einem ungeheuren Angebot auf dem Markt entgegen. Was soll ich nur kochen, fragte er sich. Plötzlich kam ihm eine Idee… Am nächsten Tag servierte er seinem Herren eine Zunge mit verschiedenem wohlschmeckenden Gemüse und feinen Gewürzen. Der reiche Mann aß das Mahl mit Genuss und lobte den Diener über alle Maßen. Nach dem Essen sagte er: „Mein lieber Diener, morgen sollst du für mich das schlechteste Mahl der Welt zubereiten. Ich gebe dir wieder Geld und du gehst erneut auf den Markt…“ Wieder ging der gute Mann auf den Markt und hatte eine Idee… Am nächsten Tag kochte er wieder Zunge mit Gemüse und Gewürzen. Der Herr aß dieses Mahl erstaunt und rief danach seinen Diener zu sich: „Mein Lieber, das verstehe ich nicht. Gestern solltest du das beste Mahl der Welt zaubern und du kochtest Zunge. Heute solltest du das schlechteste Mahl der Welt zubereiten und serviertest mir wieder Zunge. Wieso?“ – „Ja, mein Herr, das beste Essen der Welt ist die Zunge, weil man mit ihr Gutes reden kann, man kann lobpreisen, beten, die Wahrheit sprechen. Aber sie ist auch das schlechteste Essen, weil man mit ihr lügen, betrügen und fluchen kann.“

Diese Parabel umfasst mindestens zwei der Hauptproblematiken des Buches der 1969 in Uganda geborenen und später nach Kanada geflohenen Irshad Manji. Die erste ist die Frage nach den so genannten guten und schlechten Zungen. Die fundamentalistischen Muslime sind natürlich der Ansicht, dass sie mit dieser guten Zunge reden und sprechen jedem, der es wagt, etwas Kritisches über den Koran oder den Islam an sich zu sagen, eine Fatwa aus. Berühmtestes Beispiel ist der Schriftsteller Salman Rushdie, nachdem er die „Satanischen Verse“ geschrieben hatte. Ausgerechnet er bestärkte Manji dieses Buch zu schreiben. Und nun ist sie diejenige, die Morddrohungen erhält und sich Bodyguards zulegen musste. Natürlich beansprucht sie selbst mit guter Zunge zu reden, aber ob das tatsächlich so ist, wird sich später zeigen. Der zweite Punkt: während ich eine freie religiöse Erziehung genoss und zum selbständigen Denken erzogen wurde, kann dies die Autorin nicht von sich behaupten. Sie musste in die Madrasa gehen, eine konservative Koranschule, in der die kleinen Jungen und Mädchen in getrennten Klassen, den Koran in arabischer Sprache auswendig lernen müssen, selbst wenn sie in Ländern leben, in denen ganz andere Sprachen gesprochen werden. Sie schreibt:

„Schlimmer war noch die Trennung von Verstand und Seele. Im samstäglichen Unterricht lernte ich, dass man nicht denkt, wenn man spirituell ist. Wenn man denkt, ist man nicht spirituell.“

Ihre schlimmen Erfahrungen in dieser Madrasa beschreibt sie im ersten Kapitel. Die Folge ist, dass sie ein Muslim-Refusnik wurde, wie sie es selbst nennt. Dies ist eine Muslimin, die sich weigert den Islam so zu akzeptieren, wie sie ihn vorfindet.

Das zweite Thema im ersten Kapitel ist die Homosexualität der Autorin. Eine Frage, die ihr gestellt wird ist, wie sie die Homosexualität mit dem Islam verbindet. Eine diffizile Frage. Sie bekennt sich trotz ihres Aufwachsens in einem trostlosen Haushalt, unter einem gestrengen, freudlosen Vater dazu, weil sie nicht einsieht, wieso sie auf etwas verzichten sollte, was ihr als Erwachsene so viel Freude bereite.

„Wenn der allwissende, allmächtige Gott nicht gewünscht hätte, mich, eine Lesbe, zu schaffen, warum hatte Er dann nicht an meiner Stelle einen anderen Menschen erschaffen?“

„Nach 1998 wurden feindselige Herausforderungen, »mich zu erklären«, zu einem fast täglichen Vorkommnis!“ sagt sie. Denn in diesem Jahr übernahm die Journalistin die Leitung von Queer Television, einer beispiellosen Sendereihe und Internetseite über schwule und lesbische Kultur. In der Sendung ging es um Menschen und nicht um Pornographie, erklärt sie, und trotzdem vereinten sich bekennende Muslime mit christlichen  Fundamentalisten, um gegen meine Anwesenheit auf ihrem Bildschirm zu protestieren. Sie war so naiv zu hoffen, ins Gespräch zu kommen. Sie wollte den Widerspruch geklärt haben, warum einerseits Homosexualität im Koran verurteilt werde, aber andererseits verkündet wird, dass alles ausgezeichnet sei, was Allah entworfen habe. Doch niemand ließ sich auf solche Diskussionen ein. Im Gegenteil: nach einer Sendung, in der ein schwuler Muslim von seiner Liebe erzählte und danach ein Berater des islamischen Kulturzentrums in London von Demut und Bescheidenheit bei der Beurteilung Schwuler und Lesben sprach, gab es viele böse Reaktionen. Die häufigste Beschwerde von Muslimen war, dass diese homosexuellen „Schweine“ und „Hunde“, die in der Sendung gezeigt wurden, Juden sein müssten.

So gelangen wir zu der These Manjis, dass der Islam, obwohl an verschiedenen Stellen des Korans davon gesprochen wird, dass man jeden respektieren müsse, der an die Schrift der Juden glaube, sehr antisemitisch ist. Im Grunde genommen sind an allem Übel dieser Erde, vor allem in Bezug auf die Muslime, nur entweder die Amerikaner oder die Juden Schuld. Weswegen ein Großteil des Buches eine Lobpreisung dieser beiden Kulturen ist. Hier verteidigt Manji die Israelis, von denen sie immer wieder lobend erwähnt, dass diese in einer Demokratie lebten, in der alles gesagt werden dürfe, sehr im Gegensatz zu islamischen Gesellschaften. Auch die Meinungspluralität und Offenheit der amerikanischen Gesellschaft wird gepriesen. Dabei zielt sie oft über das Ziel hinaus meiner Meinung nach. Natürlich hat sie Recht, wenn es darum geht, dass in diesen Ländern die Meinungsfreiheit gewährleistet ist, aber es gäbe auch da Geschichten zu erzählen, wie dies die Autorin so gerne macht, die von christlichem Fundamentalismus oder von rückständigem orthodoxen Glauben in Israel erzählt.

Der Islam ist antisemitisch, schwulen-, frauen- und fortschrittsfeindlich.

„Zu den Aussprüchen des Propheten, die sie populär machten, gehörte: »Hüte dich vor neuen Dingen, denn jedes neue Ding ist eine Neuerung, und jede Neuerung ist ein Fehler«.“

Dies kommentiert Manji in ihrer gewohnt flapsigen und in direkter Anrede gehaltenen Art:

„Eine tolle Art, eine Zukunft aufzubauen, findet ihr nicht auch?“

Frieder Lauxmann schreibt in seinem Buch: Der philosophische Garten:

„Alle großen Erfindungen, alle berühmten Kunstwerke setzten voraus, daß da einer die gewohnte Spiel- und Denkwiese und –weise verlassen und sich auf Neuland vorgewagt hat. Neuland ist das Land, in dem man noch keine Freunde und Bekannten hat. Das muß man wissen. Wer nur mit den Mitteln argumentiert, die schon alle kennen, macht sich nicht unbeliebt und wird verstanden, aber er bleibt auf die Dauer ein Langweiler. Wer sich aber hinauswagt, hat zwei Chancen: Entweder er entdeckt etwas Neues, oder er verirrt sich. Leider ist dieses häufiger der Fall als jenes, immerhin, das Abenteuer lohnt sich. Es macht das Leben aus.“

Aber in unserem Kontext ist es weitaus gefährlicher. Ganze Nationen verbieten sich einen Fortschritt und diejenigen, die nicht mehr die so genannten „Langweiler“ sein möchten, werden verfolgt. Manji denkt Neues, wagt sich weit hinaus. Doch ist das, was sie schreibt, wirklich ein Fortschritt? Im Grunde genommen schreibt sie alles nieder, was den Islam ausmacht, und reiht sich damit in die Reiher derer, die aus westlicher Perspektive gegen den Islam wettern. Aber tut sie Möglichkeiten auf, was denn der Islam anderes sein könnte? Ihr Idschtihad, der nach ihrem Dasein als Refusnik, ihr neues Credo sein soll, eröffnet nicht viele Optionen. Sie gibt eine verwestlichte, ökonomische Ansicht als das Maß aller Dinge an: Frauen sollen endlich mehr Möglichkeiten haben, zu Geld und Ansehen zu kommen. Frauen sollen Geld erhalten, um Geschäfte aufzubauen. Wenn das alles funktioniert, dann werden sie nicht weiter unterdrückt. Dieser ökonomische Erfolg würde auch den Männern etwas bringen, mehr Wohlstand, mehr Respekt. Aber kann dies das einzig Wahre sein? Natürlich löst ökonomische Abhängigkeit einiges, in vielen Ländern werden Menschen in Abhängigkeit gehalten, in dem ihnen nie eine Möglichkeit gegeben wird, an Geld zu kommen. Das hat nicht zuletzt Andreas Eschbach in seinem Roman „Eine Billion Dollar“ beschrieben. Aber wenn es um Religion geht, versagen rationale Theorien, verpuffen auch emotionale Aufgeregtheiten. Wie soll denn ein aufgeklärter Islam aussehen? Wie sollen sich die Frauen verhalten, außer dass sie Geschäfte eröffnen? Darauf gibt Manji kaum eine Antwort.

Manji schreibt nicht wissenschaftlich, sie schreibt für alle, vor allem auch für Laien. Deswegen ist dieses Buch nicht staubtrocken, sondern sehr humorvoll und sehr persönlich gehalten. Die Autorin schreibt einen Brief an ihre Glaubensbrüder und –schwestern. Sie versucht diese zu überzeugen, in einer Sprache, die Ehrlichkeit und Authentizität beansprucht, und voller polemischer und flapsiger Kommentare ist, die ihre Emotionalität, ihren ganzen Groll offenbaren. Kritiker dieses Buches konstatieren der Autorin einige Fehler, die uns als Laien nicht auffallen, es sei denn wir forschen in dem von Manji so viel gepriesenen Internet nach. So sollen viele Namen falsch geschrieben sein und einige historische Angaben, z.B. Bagdad betreffend, nicht der Wahrheit entsprechen. Manji scheint sich in den islamischen Gesellschaften nicht allzu gut auszukennen, dies ist etwas das auch uns Laien auffallen kann.

Doch das ist kein Grund, dieses Buch nicht zu lesen. Es ist unterhaltend und bietet genug Stoff zum Weiterdenken und Diskutieren, und ist dementsprechend jedem zu empfehlen, der sich in das Thema Islam und insbesondere in Bezug auf Unterdrückung von Minderheiten hineinlesen möchte. Der Preis des Buches ist sehr erschwinglich, die neu erschienene Taschenbuchausgabe kostet neun Euro fünfzig und ist beim Deutschen Taschenbuch Verlag, dtv, erschienen.

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