Das Eliteinternat von Benjamin B. Morgner

 

Der sechzehnjĂ€hrige Tim darf aufgrund sehr guter Schulleistungen einen Platz in einem renommierten Internat einnehmen. Der Abschied von seinem Freund Stephan fĂ€llt ihm selbstverstĂ€ndlich schwer, aber schon am ersten Abend merkt er, dass er zumindest sexuell keine Not leiden wird, dafĂŒr sorgen etliche Orgien unter der Dusche beziehungsweise in sĂ€mtlichen RĂ€umen des Internats. Tim lernt die Welt der Reichen kennen, vor allem in Person des Gleichaltrigen Sven, der ihn umgarnt.

Tja, schwierig. Es stellt sich mir die Frage, wie ich einen Roman kritisieren soll, der ein typischer Vertreter der so genannten „Einhandliteratur“ ist. Über die Sprache kann ich wohl nichts sagen, die ist eines der Hauptfiguren des Romans wĂŒrdig, die Sprache eines PennĂ€lers. Der Aufbau, na ja: es gibt einen Anfang, keine wirkliche Klimax, aber doch so etwas Ähnliches, und ein Ende ist auf jeden Fall zu finden, aber im Grunde genommen ist die Geschichte nur dazu da, um die einzelnen Sex-Episoden miteinander zu verbinden. Dies kann also kein Kriterium sein. Vielleicht eher die einzelnen Abschnitte, in denen es um Sex geht: wie lange sind sie? Kann man ausreichend aufgegeilt werden, bevor wieder der störende Text zwischen diesen Sexgeschichten auftritt? Sind diese erotisch? Und fĂŒr wen? Sind sie abwechslungsreich oder hat man das GefĂŒhl, immer wieder den selben Mist zu lesen, das ganze Buch ĂŒber? Sind sie deftig? Eher fĂŒr AnhĂ€nger von BlĂŒmchensex? Gibt es Analphantasien? Oder eher Wichsereien und Oralbefriedigungen?

Ich glaube, Zitate aus einem pornographischen Buch sind nicht erlaubt, doch wie kann ich dem geneigten Hörer eine Dienstleistung erbringen? Vielleicht indem ich erst einmal erwĂ€hne, fĂŒr welche Menschen, dieses Buch nĂŒtzlich sein könnte. ZunĂ€chst eventuell fĂŒr Jugendliche, die von Sex zwischen Gleichaltrigen trĂ€umen und den nicht unbedingt bekommen; fĂŒr Jugendliche, die in der Tat in einem Internat sind, leider aber keinen Mitarbeiter aus der KĂŒche haben, der ihnen „ein Eis auf das Zimmer bringt“, dass einen FĂŒnfziger kostet. Auf jeden Fall fĂŒr Ältere, die auf SechzehnjĂ€hrige stehen. FĂŒr die ist ein besonderes Schmankerl dabei, das ihnen wohl Hoffnung bereiten soll. Erwin, der sechzigjĂ€hrige Hausmeister, darf bei dem nimmersatten Hasan, einem attraktiven sechzehnjĂ€hrigen TĂŒrken, ran. Diejenigen, die nicht genug von Erotik zwischen SechzehnjĂ€hrigen bekommen können, mĂŒssen aber kurz bedenken, dass diese PennĂ€lersprache auch in den erotischen Abschnitten vorkommt. Aber es stört wohl viele der Schwulen nicht, so wie ich dies bei Gayromeo immer wieder beobachten kann, wenn Autoren solche Wörter wie „Boyfinger“ oder „Action“ benutzen. Nun, mich schon.

Ich muss sagen, dass ich zwischendurch einige Textabschnitte ĂŒberlesen musste, weil ich mehr als einen Sex-Abschnitt brauchte, um mich ausreichend zu stimulieren. Doch das kann ja bei dem geneigten Zuhörer auch anders sein. Zu erwĂ€hnen ist, dass auch etwas fĂŒr die Leute dabei ist, die sich am ersten Analsex zwischen zwei Jungen erfreuen können. Ansonsten sind in dem Roman eher Episoden zu finden, die viel mit Wichsen und Blasen zu tun haben.

Der Roman „Das Eliteinternat“ von Benjamin B. Morgner ist 2005 in einer im HimmelsstĂŒrmer Verlag erschienen, umfasst 164 Seiten und ist in einer Taschenbuchausgabe fĂŒr vierzehn Euro neunzig im Fachhandel erhĂ€ltlich.

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