Alles wahr von Boris von Brauchitsch

 

In diesem Roman beginnt alles mit einem geschickt inszenierten Kunstraub. Ein dreister Betrüger haut fünf Galeristen übers Ohr, die allesamt bei der gleichen Versicherung namens Concil Klienten sind. Concil wiederum möchte verhindern, dass die Versicherungssummen bezahlt werden und beauftragt Robert Landau damit, Nachforschungen anzustellen. Gleichzeitig lässt er sich allerdings auch auf einen Extra-Deal mit seinem ehemaligen Kommilitonen Reinhold Berentz über zehn Tausend Euro ein, der ein Geschädigter ist und ein besonderes Interesse daran hat, den Betrüger aufzufinden. Robert Landau verfolgt Spuren in Venedig und Bangkok, fährt wieder zurück nach Frankfurt, um erneut in Venedig zu ermitteln. Er stellt fest, dass dies ein Ort aus seiner Vergangenheit ist und lernt seinen leiblichen Vater kennen, der eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt. Außerdem trifft  er in Bangkok auf einen jungen Mann namens Phil, der in ab diesem Zeitpunkt nicht mehr von der Seite weicht. Jeder Tag bringt neue Verstrickungen. Roberts Leben wird immer mehr der Ort von Täuschungen, Selbstzweifeln und verworrenen Gedanken.

Boris von Brauchitsch wurde 1963 in Aachen geboren, studierte Kunstgeschichte, lebt in Berlin und Ingenio (Gran Canaria) und arbeitet als Fotograf und Autor, überwiegend im Bereich der Kunst- und Fotografiegeschichte. Ihm ist mit diesem Werk ein Debüt-Roman gelungen, der in dieser Szene seinesgleichen sucht. Ab dem ersten Satz kann er mit seinem ironisch-klugen Tonfall den Leser auf seine Seite ziehen und lässt ihn mit seinem „Anti“-Helden mitfühlen und mitdenken.

Muss man Romane in einzelne Sparten kategorisieren? Ist dies ein Kriminalroman? Ist es ein Roman über Kunst und Kunstgeschichte? Ist es nicht vielleicht eine Geschichte über eine Selbstfindung? Worum geht es in diesem Werk?

Das Hauptmotiv dieses Werkes scheint der Unterschied zwischen Fälschung und Wahrheit zu sein. Dies passiert auf verschiedenen Ebenen. In mehr oder weniger kunstwissenschaftlichen und fast philosophischen Gedankengängen wird die Frage aufgeworfen, ob Kunst nicht per se eine Fälschung ist und ob nicht Fälschungen von Kunstwerken genauso Kunst sind. Auf einer anderen Ebene geht es um diesen Kunstraub, in dem nicht klar ist, wer wen betrügt und auf welche Weise, wer davon profitiert und wer nicht. Aber auch im Leben Roberts ist dies ein Motiv, das eine ungeheure Tragweite hat, stellt er doch fest, dass seine Mutter ihn jahrelang belogen hat. Erst in Venedig werden Erinnerungen wach und er beginnt, sich selbst mit neuen Augen zu sehen. Robert Landau ist ein Erzähler und am Ende stellt sich gar die Frage, ob er tatsächlich der Mittelpunkt der Geschichte ist, ob die Geschichte, die er erzählt wahr ist. Was ist denn Wahrheit? Phil, seine neue Bekanntschaft, schreibt ein ausführliches Tagebuch. Dies inspiriert Robert Landau seine Geschichte zu erzählen. Oder doch nicht?

In Murakamis Roman „Der Aufziehvogel“ sitzt der Held in einem Brunnen und denkt über sein Leben nach, stundenlang. Oder er schaut sich tage-, ja wochenlang Menschen in der City an und wartet auf eine Inspiration. In vielen Krimis gibt es Ermittler, die eher als Anti-Helden genannt werden können, die dann per Zufall oder mit beherzter Intuition ihre Fälle lösen. Die beiden Klischees vereint Brauchitsch hier in seinem Robert Landau, mit dem man mitfiebert und mit dem man sich in seinem Gefühls- und Gedankenlabyrinth verirrt.

Der Roman „Alles wahr“ von Boris von Brauchitsch ist beim Männerschwarm-Verlag erschienen, umfasst 255 Seiten und ist für siebzehn Euro im Fachhandel erhältlich.

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Ziffer und die Seinen von Benny Ziffer

 

Selten gerät man an schwule Literatur mit viel Gehalt. Gelegentlich aber doch. Ich erinnere mich an Jossi Avnis „Garten der toten Bäume“ und Christopher Isherwoods Werke. Wieso ich gerade die nenne? Weil Benny Ziffer in seinem Buch ZIFFER UND DIE SEINEN sich auf einen Park der toten Bäume bezieht – und damit genau den gleichen Park wie Jossi Avni meint. Und weil sein Roman eine große Referenz auf Christopher Isherwoods „Christopher und die Seinen“ ist.

Wer ist dieser Benny Ziffer? Er ist 1953 als Sohn türkischer Einwanderer in Tel Aviv Zur Welt gekommen. Er arbeitet als Journalist, Schriftsteller und Übersetzer. Seit 1987 ist er der Literaturchef der Zeitung Haaretz. Aufmerksam machte er auf sich durch seine wöchentliche Kolumne in dieser Zeitung, in der er die Beeinflussung des Fernsehens auf den israelischen Alltag beleuchtet. Ziffer schrieb drei Romane, die sich mit dem homosexuellen Leben und dem Alltag jüdisch-türkischer Einwanderer in Israel beschäftigen und für heftige Kontroversen sorgten. Sein Buch ZIFFER UND DIE SEINEN war dabei sein größter Erfolg und sorgte auch in Deutschland für Schlagzeilen in den Feuilletons.

Ziffer und Jo leben als schwules Paar in Tel Aviv. Sie erzählen abwechselnd aus ihrem Leben, das geprägt ist von Raketeneinschlägen, von anstrengenden Besuchen Ziffers Eltern und Nazi-Alpträumen. Jo regt sich über den Affen Ziffer auf, und dessen viele Unsitten, wie zum Beispiel neben das Klo zu pinkeln, während sich Ziffer über das tuntige Gehabe seines Partners ärgert. Letzten Endes flüchten sie nach Berlin, der Stadt Magnus Hirschfelds, der eine bedeutende Rolle in diesem Roman einnimmt.

Churi ist der vorrangige Grund, warum Ziffer und Jo nach Berlin ziehen. Doch was ist Churi? Es wird von Jo auf der Straße aufgegabelt und in das angeschlagene Zusammenleben des Paares integriert. Ist Churi ein Mensch, wie es naheliegt, wenn er Jo 300 Dollar mit angesetztem Messer abzockt, um seiner Familie beizustehen? Oder ist Churi ein Hund, wie es scheint, wenn er an die Leine genommen wird und nur noch bellt und ganz wild ist? Bis zum Schluss wird das nicht ganz offen. Aber wir lernen schnell: Araber werden als Hunde bezeichnet und sexuell ausgenutzt, Israel ist eine machistische, homophobe Gesellschaft, in welcher Schwule nicht nur in der Armee nicht zu lachen haben.

Diese homophobe israelische Gesellschaft wird uns noch oft begegnen. Doch was bewegt den Autoren dazu, diesen Roman genauso zu schreiben, wie er es tut? Das muss sich jeder Leser selbst fragen. Denn Fakt ist, dass dieser Roman nur autobiografisch erscheint. Er ist es nicht. Er ist rein fiktiv geschrieben. Benny Ziffer selbst lebt ganz anders.

Denn heute habe ich keinen Zweifel mehr, dass Judentum und Homosexualität zwei einander gegenläufige Triebe sind, beide gleich stark angelegt, die sich unmöglich miteinander vereinbaren lassen.

Das schreibt Ziffer als Aktivist in diesem Roman an den Polizeipräsidenten.

Wenn es nur gelänge, die natürliche Homosexualität der Araber mit dem subtilen Großstädtertum der jüdischen Bewohner Tel Avivs zu paaren, wäre es möglich, hier eine Rasse von Homosexuellen par excellence zu schaffen, eine schöne und gesunde Rasse, die auf der Welt nicht ihresgleichen hätte.

Diese Worte legt Ziffer im Roman Magnus Hirschfeld in den Mund. Aber auch da ist Vorsicht geboten. Viele Texte in dem Roman, die der berühmte Sexualforscher angeblich geschrieben haben soll, sind ebenso rein fiktiv.

Ziffer hat hier eine Welt erschaffen, die spannend ist, irrwitzig manchmal auch. Immer amüsant und ironisch. Er hat mehrere Ebenen intelligent miteinander verwoben und lässt den Leser immer zweifeln und überlegen, was wohl Realität ist und was Fiktion. Viele Episoden lassen sich nur nach Recherche klarer fassen. Den einen wird es stören, den anderen erfreuen. Es ist eben kein Buch zum Runterlesen, sondern eines, mit dem man sich näher beschäftigen muss. Doch die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall.

ZIFFER UND DIE SEINEN des Autoren Benny Ziffer ist 2009 im Männerschwarm Verlag als Hardcover erschienen. Es umfasst 192 Seiten und ist für 18 Euro im Fachhandel erhältlich.

Veröffentlicht in Buch

Die Zeitschrift Testcard

 

Die Testcard wird vom in Mainz ansässigen Ventil Verlag herausgegeben. Hauptverantwortlicher ist Martin Büsser, der die Herausgabe und Redaktion koordiniert. Ihm zur Seite stehen Roger Behrens, Jonas Engelmann, Atlanta Athens und Johannes Ullmaier. Jede Ausgabe widmet sich einem bestimmten Thema. Die letzte # 18 zum Beispiel: Regress. Motto: »testcard« reagiert auf den reaktionären Wandel unserer Gesellschaft – polemisch, analytisch, kämpferisch, aber nicht resigniert… Frühere Ausgaben beschäftigten sich mit Black Music, Linken Mythen, Gender – Geschlechterverhältnissen im Pop, Pop-Texte, Pop und Literatur oder Retrophänomene in den 90ern.

 

Nach einem einleitenden Editorial gibt es in jeder Ausgabe kleine Essays, die aus verschiedenen Perspektiven die angesprochene Thematik beleuchten. Am Ende der Zeitschrift befindet sich jedoch auch ein sehr umfangreicher und kenntnisreich geschriebener Rezensions-Teil, in dem Tonträger, Bücher und DVDs besprochen werden. Allesamt eher aus dem linken alternativen Spektrum, immer jedoch sehr interessant.

Ausgabe # 17 beschäftigt sich mit dem Thema Sex. Die Intention dahinter liegt in der Erkenntnis, dass in der linken Szene über Sex nicht geschrieben wird. Linker Sex in den 90ern? Er scheint nicht existent zu sein. Doch danach gibt es einen Wandel, der vor allem mit den Gender und Queer Studies zu tun hat. In den Universitäten heiß diskutiert, fanden diese Themen plötzlich Einzug in den Alltag. In dieser testcard möchte man Denkimpulse anregen, die der linken und queeren Community Alternativen zu gängigen Schönheits- und Sexvorstellungen bieten.

Georg Seeßlen zum Beispiel stellt in dem Artikel DIE NACKTEN WILDEN DES KAPITALS zehn Ungebote von Sexualität und Marktwirtschaft auf. Mile Laufenberg schreibt über THE TROUBLE WITH NATURE, d.h. über homosexuelle Körper und das Dilemma der Identitätspolitik. Die Homosexualität, so stellt er fest, sei Schauplatz von politischen, moralischen und religiösen Auseinandersetzungen, Gegensatdn von pädagogischen Programmen und wissenschaftlichen Studien, ökonomische Ressource, Quelle für kollektive Identitäten sowie Framing für Praktiken körperliche rund symbolischer Gewalt. Kurzum, so sagt er, ist unsere Gegenwart besessen von der Figur des Homosexuellen. Im Artikel geht er zunächst auf die Erklärungen von Homosexualität und wie Homosexuelle mit diesen Theorien umgehen, und wie sie sich in der Gesellschaft versuchen zu etablieren.In einem Artikel von Projekt L wird das Projekt (anti)lookism anhand von Shrek und Tokio Hotel erläutert.

Jens Thomas beschäftigt sich mit Homophobie im deutschen Hip-Hop, nach dem Motto: Ich bin nicht schwul, und das ist auch cool so. Darin weist er nach, dass wenn die Homophobie auch geringfügig nachlasse, gerade bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund vermehrt schwulenfeindliche Äußerungen vernommen werden. Die Entgleisungen im Hiph-Hop, so sagt er, sind Teil einer Unterhaltungsindustrie geworden, und meint damit nicht nur die Schwulen-, sondern auch die Frauenfeindlichkeit. So schreibt er über Mario Barth, dass dies für die einen ein Festival der Kalauer sei, für die anderen jedoch spaßig konnotierte sexuelle Belästigung. Er zitiert die Linguistin Helga Kotthoff, die als Kennzeichen dieser spaßigen sexuellen Belästigung das Zurückziehen des Belästiger sei, der dann sage: Ich habe doch nur einen Scherz gemacht.

Atlanta Athens schreibt in ihrem Artikel WIE WAR DEIN BESTER ORGASMUS? über den Film „Shortbus“ und wie darin dazu aufgerufen werde, sexuelle Verhandlungsräume zu erweitern. Simon Dickel schreibt in BLACK MEN LOVING BLACK MEN AND OTHER REVOLUTIONARY ACTS über Positionen zu Begehren und Sexualität in schwarzer schwuler Kultur. Der Porno-Star Michael Lucas redet in einem Interview mit Tjark Kunstreich über Europa, Israel, Amerika und die Schwulen. Kerstin Stakemeier referiert in COME über Möglichkeiten eines wirklich geilen Pornos, und meint damit Pornos für die Frau. Martin Büsser schreibt in FOR YOUR PLEASURE Fragmente einer Porno-Komparatistik. Während Katja Peglow das JUNGSHEFT vorstellt, welches Pornografische Fotos vom Indie-Boy bzw. Indie-Mann von nebenan abbildet. Und das die linke Sexualität ein bisschen auffrischen möchte.

Im Rezensionsteil werden zum Beispiel die CD Good Arrows von TUNGG, Diedrich Diederichsens GOLDEN YEARS – MATERIALIEN UND POSITIONEN ZU QUEERER SUBKULTUR UND AVANTGARDE ZWISCHEN 1959 UND 1974 und TIDELAND, ein Film von Terry Gilliam vorgestellt.

Diese und viele andere spannende Artikel erwarten euch in der Testcard, die man über die Webseite www.testcard.de bequem beziehen kann. Dort findet man auch Informationen zu den alten Ausgaben.

Veröffentlicht in Buch

So finster die Nacht von John Ajvide Lindqvist

 

2008. Es ist der Sonntag des Museumsuferfestes. Ich sitze im Kino. Niemand von meinen Freunden wollte mit. Lieber auf die Regenbogen-Area… SO FINSTER DIE NACHT von Regisseur Thomas Alfredson läuft. Ein Wohlgefühl breitet sich in mir aus. Was ein fantastischer Film. Meine Freunde haben etwas verpasst…

Alle sagen: Ach, die Bücher sind doch immer besser als die Verfilmungen. Es ist ein Allgemeinplatz. Doch er enthält einen Widerspruch in sich. Man vergleicht ja auch nicht  Äpfel mit Birnen und sagt hinterher: Der Granny Smith schmeckt mir aber besser als die Pastorenbirne. Lese ich den HARRY POTTER zum ersten Mal habe ich bestimmte Verknüpfungen im Hirn, Bilder, die entstehen. Kein Regisseur dieser Welt kann diese Bilder in einen Film bannen. Natürlich reicht der Film nicht an unser ureigenes Kopfkino heran. Und natürlich sind Buch und Film einfach zu verschiedene Medien mit unterschiedlichen Möglichkeiten und Begrenzungen.

Bei SO FINSTER DIE NACHT kann man entdecken, dass man sowohl den Film als auch den Roman grandios finden kann. Aber aus unterschiedlichen Gründen.

Doch worum geht es in dieser Geschichte?

Der zwölfjährige Oskar wohnt in Blackeberg, einer Satellitenstadt kurz vor Stockholm. Er ist ein Außenseiter und wird in der Schule von seinen Mitschülern drangsaliert. Im Plattenbau wohnt neben ihm ein reichlich merkwürdiges Mädchen namens Eli. Oskar trifft Eli nur abends auf dem Spielplatz. Das kindlich aussehende Mädchen ist immer dünn angezogen und riecht muffig. Merkwürdig ist auch, dass die Fenster in ihrer Wohnung verhangen sind. Oskar interessiert sich sehr für blutrünstige Morde und sammelt Zeitungsartikel, die er in ein Album abheftet. Doch er ahnt nicht, dass Hakan, der vermeintliche Vater von Eli eine Hauptperson dieser Berichte ist. Eli ist eine Vampirin und braucht frisches Blut. Als Hakan beim Morden erwischt wird, schüttet er sich ätzende Säure ins Gesicht, um nicht mit Eli in Verbindung gebracht werden zu können. Und nun beginnt der spannende Teil der Geschichte.

Bereits der Film besticht durch seine Ungewöhnlichkeit. Er ist eine absurde Mischung eines Astrid Lindgren-Stoffs mit einem reinrassigen Horrorfilm. Um es cineastischer auszudrücken: Er verbindet zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Genres, den Vampir- und den Coming of Age-Film. Thomas Alfredson schafft es auf faszinierende Weise die spröde, winterliche Atmosphäre des Vorortes Blackeberg mit all seinen sozialen Verwerfungen abzubilden. Der Film ist eher eine Milieu-Studie, ohne jedoch die Horror-Komponenten außer Acht zu lassen. Spannung wechselt sich mit Romantik und Dramatik ab.

Auch Lindqvist ist in seiner Vorlage eine spannende Mischung gelungen. Einerseits schafft er es Elemente eines Kriminalromans mit Elementen aus Bildungsromanen und Sozialstudien zu vermischen. Spannend ist daran, dass der Gedanke dieser Vermischung von Vampir-Legende und jugendlichen Außenseitern gar nicht so fern liegt. Liegt ihnen doch beiden die Erforschung der eigenen Identität und das Anderssein zugrunde.

Anderssein. So kommen wir zum großen Unterschied der beiden Medien. Um den Film nicht noch komplexer zu gestalten verzichtet Alfredson im Film weitestgehend auf der homosexuellen Komponente der Geschichte. Nur sehr subtil wird auch im Film klar, dass Eli nicht unbedingt eine genuin weibliche Geschlechtsidentität besitzt. Eli ist nicht etwa die Abkürzung für Elisabeth oder Eliane, sondern für Elias. So dass nicht nur die Frage nach der gleichgeschlechtlichen Ausrichtung der „Liebesbeziehung“ von Oskar und Eli gestellt werden kann.

Nein, im Roman wird das sehr viel deutlicher. Hakan ist nicht der Vater. Er ist in Elias verliebt. Der ehemalige Lehrer musste wegen seiner pädophilen Neigungen sein früheres Leben aufgeben. Er wird für Eli zum Mörder. Er geht sogar weiter: Er verstümmelt sich für diese Liebe selbst. Wird aber dann zum Monster, das aufgehalten werden muss. Hakan mordet nur Jungs, denen er im Wald auflauert oder auch im Schwimmbad. Lindqvist schafft es in diesen Szenen nicht nur, das grausige Töten klar und präzise auszudrücken, sondern auch die perverse Lust, die sie dem Mörder  bereitet.

Eine weitere Stärke des Romans sind die Dialoge. Gerade da, wo es um das Erwachsenwerden geht, schreibt Lindqvist mit beeindruckender Sensibilität und bar jeden Kitsches. SO FINSTER DIE NACHT macht auf weitere Bücher von Lindqvist Lust.

John Ajvide Lindqvists Roman umfasst 648 höchst spannende und abwechslungsreiche Seiten und ist im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Die mit Bildern aus dem Film ausgestattete Taschenbuch-Version aus dem Jahr 2008 ist für knapp 10 Euro im Fachhandel erhältlich.

Beim Film bestechen neben den wundervollen Aufnahmen Thomas Alfredsons die beiden Hauptdarsteller Kare Hedebrant und Lina Leandersson. Beide füllen ihre Rollen meisterlich aus. Lina Leanderssn schafft es, die Vampir-Figur sehr zurückgenommen zu spielen, und dabei sowohl selbstbewusst, als auch zerbrechlich und schüchtern zu erscheinen. SO FINSTER DIE NACHT heißt im Original „Låt den rätte komma“ und auf Englisch „Let the right one come in“. Was auf einen bestimmten Vampir-Mythos verweist. Die DVD ist seit Mai 2009 ebenfalls im Fachhandel erhältlich.

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